Wölfinnen

Mit Irene Kleinschmidt & Franziska Mencz

Premiere Herbst 2022

 

Zwei ostdeutsche Schwestern begegnen sich kurz vor dem Tod ihrer Mutter. Die beiden Frauen Mitte 40 bzw. Mitte 50 haben sehr verschiedene Lebensläufe, Ansichten und Werte.
Die ältere Schwester, die die Mutter jahrelang pflegte, sieht sich als Opfer der Wende und des politischen Systems. Die jüngere Schwester ist als erfolgreiche Akademikerin im Westen „angekommen“. 
Beim Sichten des Nachlasses der Mutter entdecken sie, dass die Mutter das Kind einer Vergewaltigung durch einen russischen Soldaten in der Nachkriegszeit ist. Die Schwestern erkunden nach und nach zu welchen Tabuisierungen und Verwerfungen es in der Ehe der Großeltern gekommen war.

Das Stück, ein Kammerspiel, untersucht die generationsübergreifenden Auswirkungen traumatischer Erlebnisse. Konkret, das (unbehandelte) Vergewaltigungstrauma, verstärkt durch die Tabuisierung der aus dem Krieg heimkehrenden deutschen Männer. Es möchte in dieser fiktiven, aber realistischen Geschichte die Auswirkung von Einkapselungen und Verschweigen bis in die Handlungsmuster der Enkelgeneration aufzeigen. Wölfinnen geht es um den historischen Gehalt unseres Verhaltens, um jenen Rest, den wir selbst in unseren Handlungen nicht durchdringen, weil er oftmals Grund für unsere Handlungen ist.
Das Projekt möchte ein starkes künstlerisches Statement dafür sein, sich mit diesem wichtigen Teil deutscher Geschichte auseinanderzusetzen. Insbesondere wollen wir untersuchen, warum viele der vergewaltigten Frauen, die zunächst über ihre Erlebnisse reden und sich darüber austauschen konnten, ihren Männern ins Schweigen folgten.
Zur Erforschung der Fragen, was Menschen an autoritären Strukturen reizt und warum sie sich rechtem Gedankengut anschließen, bzw. ob und wie diese Hinwendung mit der ferneren und jüngeren deutschen Geschichte in einem kausalen Zusammenhang steht, wollen wir mit unserem Projekt einen künstlerischen Beitrag leisten und das Thema in die Öffentlichkeit bringen, damit es diskutiert werden kann.

Für die Verwirklichung des Stück ist eine Recherchephase vorgesehen. In dieser Phase werden Interviews geführt, Originalquellen gesichtet, sowie entsprechende wissenschaftliche Veröffentlichungen einbezogen. Aus diesem Material wird das Stück geschrieben.